Mittendrin - Deutsche und Migranten aus Russland e.V.
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VOLK AUF DEM WEG
Nr. 07/ 2011

HEIMAT IM GLAUBEN

Russlanddeutsche Pilger zu Besuch in Italien

Erste Ökumenische Pilgerfahrt wurde zum überwältigenden Erlebnis


In der Woche nach Ostern haben evangelische und katholische russlanddeutsche Christen die italienischen Städte Florenz, Rom und Assisi besucht und ein eindrucksvolles Programm absolviert.

"Die Idee entstand vor einem Jahr auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München", erklärt Pfarrer Dr. Alexander Hoffmann, Visitator für die katholischen Deutschen aus Russland, der die Pilgerfahrt mit vorbereitet hatte, dann aber krankheitsbedingt nicht mitfahren konnte. "Unsere enge Zusammenarbeit in der Aussiedlerarbeit ist durch diese Reise weiter gestärkt und vertieft worden", meinen auch Pfarrer Edgar Born und Pater Ewald Ottowess, die als Seelsorger die Gruppe geleitet haben.
In der Nacht zum 2. Ostertag sammelten sich in Hamm, Bonn und Frankfurt die Teilnehmer aus ganz Deutschland, um die lange Busfahrt anzutreten. Der aus Polen stammende Busfahrer Olaf erwies sich als kompetenter und stets freundlicher Begleiter.
Schon während der Fahrt "hatten achtundvierzig Menschen aus ganz Deutschland, die ökumenisch verbunden sind, die Möglichkeit, sich kennen zu lernen und sich über ihre kirchlichen Aktivitäten auszutauschen, ihre Fähigkeiten zu präsentieren und zusammen zu singen", erzählt Svetlana Friebus, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Landesverbandes Hessen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland.
Nach einigen Pausen mit gemeinschaftlichem Picknick in den Schweizer Bergen erreichte die Gruppe am späten Abend Florenz. Am nächsten Morgen tauchte sie unter fachkundiger Anleitung in die Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt ein. Führende Baumeister und Künstler haben in dieser Stadt im Laufe der Jahrhunderte ihre Spuren hinterlassen. Man spürte auf Schritt und Tritt den Glanz vergangener Zeiten, den Reichtum, zu dem Familien wie die Medici gelangt waren. Der Dom, das Baptisterium, die Krämerbrücke über den Arno, die Plätze mit ihren mit Figuren geschmückten Brunnen und die von Michelangelo aus Carrara-Marmor gefertigte Figur des David hinterließen bleibende Eindrücke.
Gern hätten einige sich noch länger aufgehalten, um sich z.B. die umfangreiche Gemäldesammlung der Uffizien oder einige Kirchen anzuschauen, aber es wartete die ewige Stadt Rom auf uns.
Am Abend nach einem ausgezeichneten Essen im Hotel in den Bergen nahe Rom erfreute die mitgereiste Folkloregruppe "Aljonuschka" aus Lutherstadt Wittenberg mit ihren musikalischen Darbietungen und ansprechenden Gewändern die Gruppe. Manche Teilnehmer ließen sich sogar zum Tanz animieren. Am Mittwoch nach Ostern standen ganz besondere Begegnungen in Rom auf dem Programm - zunächst die Generalaudienz mit Papst Benedikt XVI. Zusammen mit Gläubigen aus der ganzen Welt hörte die Gruppe die in mehrere Sprachen übersetzte Ansprache des Heiligen Vaters, in der er die Auferstehung Jesu Christi und ihre Folgen für das alltägliche Leben der Christen in den Mittelpunkt stellte. Viele Pilgergruppen wurden namentlich aufgerufen und vom Papst in der jeweiligen Sprache begrüßt. Abschließend erteilte Benedikt XVI. den 80.000 Menschen auf dem Petersplatz in lateinischer Sprache seinen päpstlichen Segen. Zu Fuß begab sich die Gruppe zum hinter der Engelsburg gelegenen Zentrum der Waldenser-Kirche. Diese 800 Jahre alte protestantische Kirche wurde uns von Prof. Lothar Vogel, der an der Waldenser-Fakultät Kirchengeschichte lehrt, eindrücklich nahe gebracht. Nachdem uns auch Prof. Vogel gesegnet hatte, begaben wir uns nach einer kurzen Verpflegungspause zurück in den Petersdom. Die Kunstwerke in dem über dem Petrusgrab errichteten Dom sind eine eindrucksvolle Auslegung biblischer und christlicher Geschichten. Die von Michelangelo geschaffene Pietä, die farbenprächtigen Gemälde und die kunstvoll gestalteten Altäre und Papstgräber versetzten in ehrfürchtiges Erstaunen.
"Die Kunstwerke in Florenz, Rom und Assisi waren überwältigend. Die Denkmäler, die bildende Kunst und die Architektur waren unmöglich sofort im Gedächtnis zu speichern. Das alles war schwer zu begreifen. Man braucht Zeit, um das zu verarbeiten", berichtet Eduard Deibert. Der nächste Tag war dem antiken Rom gewidmet. Zunächst besuchten wir die Domitilla-Katakomben, eine 17 km lange und 32 m tiefe unterirdische Begräbnisstätte, in der sich die frühen Christen zum Gottesdienst versammelten und vor Verfolgung versteckten. In dieser großten - von Steyler Missionaren verwalteten - Katakombe feierten wir einen Ökume nischen Gottesdienst, der die Herzen be rührte.
Vom Kolosseum aus erkundeten wir zu Fuß das antike Rom auf dem Palatin-Hügel, besuchten das "wundertätige" Christuskind und die einzig aus der alten Zeit erhaltene bronzene Reiterstatue von Marc Aurel auf dem Kapitol. Am nächsten Tag schauten wir uns berühmte Brunnen und Plätze an. Natürlich warfen die Teilnehmer Münzen in den Trevi-Brunnen - Symbol für die Absicht, Rom demnächst wieder zu besuchen - und erstiegen die berühmte Spanische Treppe. Die letzte Station des Aufenthaltes in Rom war "Paulus vor den Mauern". Die über dem Paulusgrab errichtete Kirche enthält unter anderem Rosetten mit Bildern aller 265 Päpste. Im Garten sind Bäume als Symbole für die verschiedenen christlichen Konfessionen gepflanzt, darunter auch ein Lutherbaum. "Das hat für uns Deutsche aus Russland eine besondere Bedeutung - mit unseren christlichen Glaubensquellen in Berührung zu kommen", meint Svetlana Friebus. "Eine solche Fahrt war für unsere Vorfahren in Russland nicht vorstellbar." Davon ist auch Oskar Schweitzer überzeugt: "Wenn man bedenkt, dass vor 70 Jahren in einem Ukas der Oberste Sowjet die Deportation der Deutschen in Russland befahl, so grenzt es an ein Wunder, dass wir heute als freie Menschen eine solche Reise mitmachen können." Nach einer Übernachtung vor den Toren Assisis besuchten die Pilger am letzten Tag ihrer Reise den Geburtstort des Heiligen Franz. Besonders eindrucksvoll waren die Kirche der Heiligen Clara, der Schwester von Franz von Assisi, und die dreifache Kirche, die über seinem Grab errichtet wurde.
Pater Ewald sprach am Steinsarkophag des Gründers des Franziskaner-Ordens einen Segen für die ganze Gruppe und besonders für das Ehepaar Born, das an diesem Tag seine Perlenhochzeit beging. Die gesamte Rückfahrt geriet zu einer einzigartigen Feier zum 30. Ehejubiläum. Es wurde gesungen, man erzählte Geschichten und sagte Gedichte auf, hielt ein gemeinsames Picknick ab und tanzte auf den Rastplätzen zu den Klängen des Bajans. Am Morgen des 1. Mai verabschiedeten sich die Teilnehmer, nicht ohne den Reiseleitern und allen zu danken, die diese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht hatten.
"Wir sind Pfarrer Born und Pater Ewald dankbar, die uns mit Gebet und Gesang den ganzen Weg begleiteten. Alles hatte seine Bestimmung, alles war in Gottes Führung. Keine Verletzten, keine Vermissten, am Ende waren alle zufrieden", schreibt Eduard Deibert im Rückblick. "Die Kreuze, Bilder und Büchlein mit Gottesliedern und Gedichten, die wir geschenkt bekommen haben, werden wir sorgfältig aufbewahren. Diese Reise hat uns Hoffnung, Beständigkeit, Trost und Kraft für die Gegenwart und die Zukunft gegeben", sagt Svetlana Paschenko, Vorsitzende der Ortsgruppe Kassel, und fügt hinzu: "Es war wirklich eine fröhliche und friedliche ökumenische Gemeinschaft mit Schwestern und Brüdern."

Edgar L. Born

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