Mittendrin - Deutsche und Migranten aus Russland e.V.
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VOLK AUF DEM WEG
Nr. 07/ 2011

INTEGRATION

Hat sich Ihr "German Dream" erfüllt?


Wanderausstellung "In Deutschland angekommen" stellt Fragen und gibt Antworten


Mit ihrer Wanderausstellung "In Deutschland angekommen", die in Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt) beheimateten Zuwanderergruppen eine Stimme und ein Gesicht gibt, haben die Ortsgruppe Wittenberg der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (Vorsitzende Pauline Wiedemann) und der Verein "Mittendrin - Deutsche und Migranten aus Russland in Wittenberg" (Vorsitzender Valerij Kovacs) sichtlichen Erfolg.

Nach der Eröffnungsveranstaltung am 19. Februar 2011 im Katharinensaal der Stadtkirchengemeinde mit zahlreichen Gästen aus der Kommunalpolitik, von Parteien, Vereinen und der Öffentlichkeit haben bereits zahlreiche Bürger aus Wittenberg und Umgebung die Ausstellung besichtigt. Angesichts der regen, positiven Resonanz wird die Wanderausstellung wohl noch viel Gutes bewirken. Nachdem sie bis Ende Februar im Integrationszentrum in der Lutherstr. 29 (Anlaufstelle der Landsmannschaft) zu sehen war, wanderte sie weiter in das Rathaus Bad Schmiedeberg, war im April in der Wittenberger Sparkasse zu Gast und ging danach in das Kurhaus Bad Schmiedeberg und das Berufs- und Kulturzentrum Wittenberg. Indem die Ausstellung ganz persönliche Lebensgeschichten aus verschiedenen Zuwanderergruppen, die sonst nie zu Wort kommen, aufgreift und positiv herausstellt, informiert sie die Öffentlichkeit über Zuwanderer auf eine Art, die nicht alltäglich ist. Und sie vermittelt, dass die Zuwanderung eine Bereicherung für die deutsche Gesellschaft ist. Die Statistiken über Zuwanderung, Berufsintegration, Studium und Selbständigkeit der Zuwanderer sind allerdings nicht nur eine Ergänzung der Erfolgsgeschichten, sondern zeigen auch Probleme auf. Neben vielen Erfolgsgeschichten wie die der Slawistik-Studentin Kamila Abdulaev aus Usbekistan, des Facharztes Dr. Mohai Qadduri aus dem Irak, der Küche und Restaurantbetreiber Yuran Qiu aus China und Lakhbier Singh aus Indien, des Geschäftsmanns Thanh Truong Nguen aus Vietnam oder des Unternehmers Alaa Hussein aus Ägypten präsentiert die Ausstellung auch zahlreiche deutsche Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Alle Biografien bestätigen, wie stark die positive Lebenseinstellung, die eigene Willenskraft, der Fleiß und der Familienzusammenhalt eine schnellere Integration fördern. "Ich habe eine großartige Familie. Ohne ihre Rückendeckung und die Unterstützung hätte ich den Neuanfang nie geschafft", sagt Viktor Edelmann. Er kam 2006 mit seiner Familie aus Kasachstan nach Deutschland und konnte hier in seinen alten Beruf als Schweißer einsteigen.
Olga und Alex Kadesnikov, die 1995 aus Sibirien nach Deutschland kamen, haben ebenfalls das Ziel, aus ihrem Leben etwas Anständiges zu machen. Olga ist seit 1998 Krankenschwester im Paul-Gerhardt-Stift Wittenberg, ihr Mann seit 1999 bei einer Kunst- und Baustahlschlosserei tätig.
Ein Vorbild ist auch Dr. Irina Mühlstein, die 2000 aus Usbekistan aussiedelte. Seit 2001 arbeitet die Oberärztin in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Evangelischen Krankenhaus in Wittenberg.
"Meine Frau Olga und ich hatten immer das Glück, Arbeit zu finden, konnten dadurch ein Darlehen aufnehmen und ein Haus kaufen. Wir haben uns gut eingelebt, verstehen uns blendend mit den Nachbarn, helfen uns gegenseitig und haben angenehme Arbeitskollegen. Unsere Kinder sind erfolgreich in Deutschland. Sie haben einen Schulabschluss bzw. eine Berufsausbildung oder ein Studium hinter sich, und was sehr wichtig ist - den erwünschten Beruf, erzählt Johannes Miller, der aus Sibirien stammt und mit seiner Familie seit 1992 in Wittenberg lebt.
Elvira und Alexej Koschkin (seit 1992 in Deutschland) sind weitere Beispiel für Willenskraft, Ehrgeiz und aktive Lebenseinstellung. Sie haben ein Haus gebaut, ihr Sohn Dimitrij hat die Technische Schule in Magdeburg absolviert und ist berufstätig in Bayern, der Sohn Konstantin war als Bundeswehrsoldat in Usbekistan und Afghanistan im Einsatz und absolviert zurzeit eine Ausbildung beim Autohaus "Kranz" in Wittenberg.
Die berufliche Integration von Dr. med. Irina Miller hat unter Deutschen aus Russland nach wie vor Seltenheitswert. "Wie gut es mit der Integration klappt, hängt zum großen Teil von jedem selbst ab. Je schneller man umdenkt, desto besser", so Irina. 1997 reiste sie mit ihren Eltern nach Deutschland aus. In Kasachstan hatte sie Medizin in Karaganda studiert. 1999 bekam sie die Approbation als Ärztin; 2007 promovierte sie, und im gleichen Jahr wurde sie Fachärztin für Innere Medizin im Paul-Gerhardt-Stift.
Alla Kessler, Friseurmeisterin aus Leidenschaft, kam 2000 aus Kasachstan nach Deutschland. An Deutschland gefällt ihr, dass man sich hier gut entwickeln und eine Zukunft für die Kinder schaffen kann.
Wie schwierig Integration auch für Kinder sein kann, erzählt Natalia Kist. 1990 siedelte ihre Familie aus der Ukraine nach Deutschland über. Da Natalia kein Deutsch konnte, wurde sie zwei Klassen zurückgestuft und war somit die Älteste in der Klasse. Die Schule schaffte sie trotz allem erfolgreich mit einem erweiterten Realschulabschluss, machte danach eine Ausbildung als Kosmetikerin und im Anschluss als Physiotherapeutin. Seit 2010 hat sie eine Stelle als Physiotherapeutin in Jüterbog. "Ich kann ganz sicher sagen: Hier bin ich zu Hause, hier bin ich angekommen", freut sich Natalia.
Waldemar Wambold, der aus Tokmak, Kirgisien, kommt und seit 1996 in Wittenberg lebt, hat mit seinen 40 Jahren viel erreicht. 1998 ergriff er die Chance, sein Diplom als Notruf-Feldscher anerkennen zu lassen. Nach einem Praktikum im Paul-Gerhardt-Stift wurde er als medizinischer Spezialist anerkannt und in die chirurgische Abteilung aufgenommen, wo er bis heute arbeitet.
Maria und Viktor Kahm kommen aus Moskau, leben seit 15 Jahren in Wittenberg und gehen seit Jahren ihren Berufen nach. "In Deutschland sind wir mittlerweile angekommen, uns gefällt hier alles", sagen sie. Sohn Artur machte nach der Bundeswehrzeit eine Ausbildung und arbeitet als Anlagenfahrer in einem Pharmaunternehmen. Tochter Oxana studierte an einer Fachhochschule in Wolfenbüttel Personalmanagement.
Alexander Heide, der mit seiner Familie 2003 aus Kasachstan kam, gibt zu: "Es war nicht leicht, in der fremden Umgebung ein sicheres Selbstvertrauen zu entwickeln und eigene Erfahrungen zu sammeln." Denis Heide kam 2003 aus Kasachstan nach Deutschland. 2005 ließ er sich als gestaltungstechnischer Assistent für Grafik/Design in Halle ausbilden, wurde aber 2007 in die Bundeswehr einberufen. Gegenwärtig arbeitet er im BMW-Werk Leipzig. In seiner Freizeit malt er gern und hat seine Bilder bereits ausgestellt.
Auch die Apothekerin Helene Rempel hatte ihren Traum, in den geliebten Beruf zurückzukehren, nie aufgegeben. Sie und ihr Ehemann Johannes kamen 1990 aus Kasachstan nach Deutschland. Helene ist pharmazeutisch-technische Assistentin; in diesem Beruf arbeitet sie nun seit über 17 Jahren, zuerst im Emsland, Niedersachsen, und jetzt in Wittenberg. Ihre Tochter ist Ärztin, lebt und arbeitet in Zürich: "Wir sind glücklich in Deutschland, und nie könnte ich mein Leben hier anders sehen."
Natalia und Alex Mitev aus Kasachstan leben bereits seit 13 Jahren in Lutherstadt Wittenberg. Beide haben dank ihrer Anpassungsfähigkeit, ihrer Kontaktfreudigkeit, ihrem Optimismus und ihrer Zielstrebigkeit ihren Weg in der neuen Heimat gefunden. Ihr Motto war: "Bloß nicht aufgeben, Augen zu und durch!" "Ich habe gern in meinem Beruf als Krankenschwester gearbeitet und bin glücklich, dass ich jetzt meinen Platz in Deutschland gefunden habe und dieser Gesellschaft nützlich sein kann", so Natalia. Alex ist seit Jahren in einer Produktionsgesellschaft in Zerbst tätig, zuständig für Fahrradmontage.
Mit gutem Beispiel geht Pauline Wiedemann selbst voran, die 1997 aus Kasachstan ausreiste. Deutschlehrerin und Sozialarbeiterin von Beruf, hat sie ab 2005 in Wittenberg die Ortsgruppe der Landsmannschaft aufgebaut - mit der engagierten Unterstützung zahlreicher Helfer. So ist hier in den vergangenen Jahren ein aktives Vereinsleben entstanden. Besonders viel Wert legt Wiedemann auf die Zusammenarbeit mit allen örtlichen Einrichtungen und Verbänden. Für sie heißt es; "Ankommen - mittendrin statt nur dabei sein." Auch die Idee der Ausstellung entspringt diesem Gedanken.
Unter dem Motto "Heimat verlieren - Heimat finden!" greift die Ausstellung Befindlichkeiten auf, die jedem, der seine Heimat verlassen und sich in einer fremden Umgebung neu finden und erfinden musste, vertraut sind: Mut, Freiheit, Hoffnung, Zuversicht, Glück, Angst, materielle Not, Resignation, Verzweiflung, Abenteuer. Sie stellt Fragen und gibt ganz persönliche Antworten - keine Aller-weltsrezepte, denn Integration hat viele Gesichter und viele Wege, die nicht mit Rosen gepflastert sind, sondern steinig und mitunter weit und verschlungen sein können. Die Frage - Hat sich Ihr "German Dream" ("Traum von Deutschland") erfüllt? - beantwortet die Ausstellung allerdings nicht. Oder doch?

VadW

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Dieses Projekt wird gefördert von: Sachen-Anhalt, Europäische Kommission, Euorpäischer Sozialfonds - INVESTION IN IHRE ZUKUNFT
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