Mittendrin - Deutsche und Migranten aus Russland e.V.
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Mit Herzblut dabei

AKTIONSTAG Ob Militär- und Kulturgeschichte oder Showtanz, viele Mitglieder fühlen sich in ihrer Freizeit in Vereinen ausgesprochen gut aufgehoben.

VON KARINA BLÜTHGEN

WITTENBERG/MZ - Es gibt Menschen, die führen ein Doppelleben. Jörg Herrmann zum Beispiel ist werktags für den Landesbetrieb für Hfochwasserschutz und Wasserwirtschaft unterwegs. Doch an den Wochenenden taucht er als preußischer Gardejäger in die Geschichte ein. Sein Interesse für die Zeit vor 200 Jahren wurde schon als Kind geweckt. "Wenn meine Eltern nach Wittenberg zum Einkaufen fuhren und ich bei einer Tante war, stand dort im Schrank ein Bildband über Napoleon", kann sich der Eutzscher heute noch genau an seine erste Begegnung mit dieser "spannenden Zeit" erinnern.

Inzwischen gilt seine Neugier mehr als nur Napoleon allein. Die Befreiungskriege, vor allem die Ereignisse rund um Wittenberg, haben es ihm angetan. Herrmann ist Mitglied des im November 2011 gegründeten Vereins "Bürger und Soldaten Wittenberg 1813", der darauf aufmerksam machen will, dass es zwischen Luther und dem Abzug der Sowjetarmee noch andere spannende Geschichtsepochen in der Stadt gegeben hat. "Es ist ein Versuch der Annäherung", beschreibt er seine Intention, militärisches Leben jener Zeit nachvollziehbar zu machen. Für ihn bedeutet dies, auch mal eine Woche ohne Verpflegung mit anderen zu Fuß durch Belgien zu marschieren, in Dörfern um Essen nachzufragen und nachts im Wald unter einer Plane zu schlafen. Kein Handy, keine Armbanduhr, keine Annehmlichkeiten. Andererseits wollen er und die anderen Mitglieder um den Vereinsvorsitzenden Manfred Krop die Wittenberger neugierig machen. Wie war das damals bei der Belagerung 1813 und 1814? Wie war die Ausrüstung der Soldaten? Welche Zeugnisse aus damaliger Zeit lassen sich noch finden? All das findet lörg Herrmann unglaublich spannend.

Für die "Bürger und Soldaten Wittenberg 1813" war der gestrige Aktionstag der Vereine im Wittenberger "Phönix"-Theater die ideale Plattform, um sich erstmals zu präsentieren. Insgesamt 31 Vereine hatten sich zu dieser vierten Auflage angemeldet (siehe auch "Vom klassischen Tanz..."), um sich, ihre Arbeit und Interessen öffentlich vorzustellen und nicht zuletzt auch Mitglieder zu gewinnen. "Hier merkt man, wie reich das kulturelle Leben in dieser Stadt ist", ist Wittenbergs Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) vor allem von der Vielfalt dessen angetan, was die Vereine bieten.

Linda Weise und Antonia Reisbach etwa tanzen für ihr Leben gern. Deshalb war es für die beiden 14-Jährigen auch keine Frage, in der "Bewegungskiste 2017" mitzumachen. "Hier sind alle meine Freundinnen dabei", erzählt Antonia. "Und es ist sehr vielseitig." Nicht nur Show- und Mittelaltertänze werden mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 von Kindern und Jugendlichen eingeübt, "wir machen auch alte Spiele wie Nüsse werfen und Tauziehen. Jedes Jahr kommt etwas anderes dazu."

Die "Bewegungskiste 2017" ist integriert in die Wittenberger Bürgerwehr. "Wir trainieren zwei bis drei Mal die Woche", sagt Linda. "Vor Auftritten treffen wir uns zusätzlich noch." Insgesamt gibt es drei Tanzgruppen mit insgesamt etwa 35 Kindern und Jugendlichen die unter der Leitung von Doreer Hainich sehr diszipliniert trainieren. Jungen sind nicht in der alteren Gruppe. "Zu einigen Tänzer würden wir uns schon welche wünsehen", meint Linda. Gut aufgehoben fühlt sich Petra Kapisch-Thiele im Wittenbergei Trachtenverein. Sie hat als Mitwirkende über die Modenschauen hinein gefunden, ist Mitglied geworden und hat sogar im historischer Gewand geheiratet. "Ich habe der Verein sich entwickeln sehen, daran hängt mein Herzblut", so die 52-Jährige aus Nudersdorf. "Es macht einfach Spaß, mit Gleichgesinnten zusammen zu sein." Gäbe es den Verein nicht, man müsste ihn erfinden - diesem Satz stimmt sie unumwunden zu. "Schon allein des Stadtfestes wegen, für das wir immer neue Ideen entwickeln" merkt sie an. Modenschauen sind für sie noch immer ein besonderer Reiz. "Wenn ich merke, dass das Publikum Interesse hat, geht auch mir das Herz auf", schwärmt sie.

Mehr Fotos und ein Video vom Aktionstag gibt es unter der Adresse www.mz-web.de/wittenberg

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